„Mieter sind die Verlierer der Energiewende“ – Eon-Chef fordert Stopp von Solardach-Förderung

Der Chef des Energieriesen Eon, Leonhard Birnbaum, sorgt mit einer drastischen Forderung für Aufsehen: Die staatliche Förderung für private Solaranlagen müsse sofort gestoppt werden. Überraschenderweise ist der Grund dafür nicht etwa eine Abneigung gegen grüne Energie, sondern deren überwältigender Erfolg, der eine gefährliche soziale Schieflage bei den Energiekosten verursacht. Wie kann eine Erfolgsgeschichte der Energiewende ausgerechnet den Strompreis für Millionen von Menschen in die Höhe treiben? Die Antwort liegt in einem System, das unbewusst Gewinner und Verlierer schafft und den Strompreis für viele unbezahlbar macht.

Die bittere wahrheit hinter dem solarboom: warum ihr strompreis steigt

Die Aussage von Eon-Chef Leonhard Birnbaum ist ein Schlag ins Gesicht für viele, die an eine gerechte Energiewende glauben. Er argumentiert, dass die Energiewende zunehmend zu einer sozialen Frage wird, die den Strompreis für bestimmte Bevölkerungsgruppen unerträglich macht. Wer Eigentum besitzt und in ein Solardach investieren kann, profitiert doppelt: Er senkt seine eigenen Energiekosten drastisch und erhält oft noch Geld für den eingespeisten Strom.

Auf der anderen Seite stehen Millionen von Mietern, die von diesem Boom komplett ausgeschlossen sind. „Ich fühle mich machtlos. Mein Strompreis explodiert, und ich kann nichts dagegen tun, während mein Nachbar mit seinem E-Auto prahlt, das er mit ‚kostenlosem‘ Strom lädt“, klagt Maria Schmidt, 38, Krankenschwester aus Köln. Sie tragen nicht nur weiterhin den vollen Strompreis, sondern müssen über die Netzentgelte indirekt auch noch den Netzausbau mitfinanzieren, der durch den Solarboom notwendig wird. Dieser Mechanismus treibt ihren persönlichen Strompreis weiter in die Höhe.

Die unsichtbare last: netzkosten als preistreiber

Ein wesentlicher Bestandteil Ihrer Stromrechnung sind die Netzkosten. Diese Gebühren decken den Bau, Betrieb und die Instandhaltung der Stromnetze. Durch den dezentralen Ausbau von Tausenden kleiner Solaranlagen muss das Netz massiv umgebaut und stabilisiert werden. Diese enormen Kosten werden auf alle Stromkunden umgelegt.

Das Ergebnis ist paradox: Während der Eigenheimbesitzer mit Solaranlage kaum noch Netzstrom bezieht und somit weniger zu den Netzkosten beiträgt, muss der Mieter ohne eigene Anlage die steigenden Kosten für die Netzinfrastruktur allein stemmen. Der Strompreis wird so zu einem Spiegelbild sozialer Ungerechtigkeit. Die Subventionierung von Solaranlagen verschärft dieses Problem, anstatt es zu lösen, und beeinflusst den allgemeinen Strompreis negativ.

Eons radikaler vorschlag: ein ende der solar-subventionen für einen fairen strompreis

Leonhard Birnbaum argumentiert, dass die Subventionen schlicht nicht mehr notwendig sind. „Dachflächen-Photovoltaik-Anlagen können und müssen sich am Markt bewähren“, so der Eon-Chef. Die Technologie sei mittlerweile so ausgereift und wirtschaftlich, dass sie sich auch ohne staatliche Zuschüsse rechne. Den Strompreis künstlich durch Förderungen zu beeinflussen, sei nicht mehr zeitgemäß.

Ein Festhalten an den alten Förderinstrumenten würde laut Birnbaum nur die soziale Spaltung vertiefen und den Strompreis für Mieter weiter belasten. Es sei ein „toller Erfolg für die Energiewende“, dass sich Photovoltaik nun selbst trage. Diesen Erfolg müsse man nutzen, um das System gerechter zu gestalten und den Strompreis für alle Bürger stabil zu halten. Die aktuellen Energiekosten spiegeln diese Notwendigkeit wider.

Rechnet sich photovoltaik wirklich ohne förderung?

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Die Kosten für Solarmodule sind in den letzten Jahren dramatisch gefallen, während der Strompreis für Endverbraucher gestiegen ist. Für Hausbesitzer ist die Rechnung einfach: Jede Kilowattstunde Strom, die sie selbst erzeugen und verbrauchen, müssen sie nicht teuer aus dem Netz kaufen. Das allein sorgt für eine enorme Ersparnis bei den Energiekosten.

Selbst ohne die feste Einspeisevergütung in ihrer alten Form bleibt die Investition rentabel, insbesondere in Kombination mit einem Stromspeicher. Die Unabhängigkeit von einem schwankenden Strompreis und die Senkung der eigenen Stromrechnung sind die stärksten Argumente. Ein stabiler Strompreis ist für Anlagenbetreiber weniger relevant als für reine Verbraucher.

AspektSituation mit FörderungSituation ohne Förderung (Vorschlag)
EigenheimbesitzerHohe Ersparnis + garantierte Einnahmen, niedrige EnergiekostenHohe Ersparnis durch Eigenverbrauch, marktabhängige Einnahmen
MieterTrägt volle Netzkosten, hoher Strompreis, keine VorteilePotenziell stabilere Netzkosten, fairer Strompreis
Allgemeiner StrompreisWird durch Umlagen für Förderungen und Netzausbau belastetEntlastung von Subventionskosten, Potenzial für sinkenden Strompreis
NetzstabilitätUnkoordinierte Einspeisung belastet die Netze starkAnreiz für intelligente, steuerbare Anlagen mit Speichern

Eine energiewende für alle oder nur für eigenheimbesitzer?

Die aktuelle Debatte um den Strompreis deckt eine grundlegende Schwäche der bisherigen Energiewende auf. Sie wurde lange Zeit technologie- und nicht systemorientiert vorangetrieben. Man hat den Ausbau gefördert, ohne ausreichend an die Infrastruktur und die soziale Verteilung der Kosten zu denken. Der Strompreis wurde zu einer Kennzahl dieser Fehlentwicklung.

Es entsteht eine Zweiklassengesellschaft: auf der einen Seite die „Energie-Gewinner“ im Eigenheim, die sich von den hohen Energiekosten abkoppeln, auf der anderen Seite die „Energie-Verlierer“ in Mietwohnungen, die die volle Last der Systemumstellung tragen müssen. Ein gerechter Strompreis ist in weite Ferne gerückt. Diese Ungerechtigkeit gefährdet die Akzeptanz für die gesamte Energiewende.

Die politische debatte: was plant die bundesregierung?

Die Forderung des Eon-Chefs findet auch in der Politik Gehör. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat bereits signalisiert, dass sie die Förderung für neue, kleine Solaranlagen überdenken will, eben weil sie sich für die Verbraucher längst rechnen. Ihr Fokus liegt auf einer intelligenteren Integration der Anlagen ins Stromnetz.

Reiche betont, dass Anlagen ihren Strom intelligent einspeisen und am Markt teilnehmen müssen, idealerweise in Verbindung mit Stromspeichern. „All das macht unser Stromsystem unnötig teurer. Das will ich ändern“, so die Ministerin. Es sei nicht mehr zeitgemäß, dass Anlagen ohne Rücksicht auf das Netz errichtet werden. Eine stärkere Beteiligung an den Netzausbaukosten für Solar- und Windanlagenbetreiber steht ebenfalls zur Debatte, um den Strompreis für die Allgemeinheit zu stabilisieren.

Warum sollten Solar-Subventionen gestoppt werden, wenn sie dem Klima helfen?

Die Forderung basiert auf der Annahme, dass Solaranlagen inzwischen so wirtschaftlich sind, dass sie keine Subventionen mehr benötigen. Das Festhalten an den Förderungen führt laut Kritikern zu einer ungerechten Verteilung der Kosten der Energiewende, bei der Mieter über einen höheren Strompreis den Solarboom der Eigenheimbesitzer mitfinanzieren.

Wie genau erhöhen private Solaranlagen den Strompreis für Mieter?

Private Solaranlagen erfordern einen massiven Ausbau und eine Stabilisierung der Stromnetze. Die Kosten dafür (Netzentgelte) werden auf alle Stromkunden umgelegt. Da Eigenheimbesitzer mit Solaranlage weniger Strom aus dem Netz beziehen, tragen sie weniger zu diesen Kosten bei, während Mieter die steigenden Netzentgelte über ihre Stromrechnung vollständig bezahlen müssen. Dies treibt ihren spezifischen Strompreis in die Höhe.

Was sind die Alternativen zum aktuellen Fördermodell?

Experten und Politiker diskutieren Modelle, die auf eine intelligente Netzintegration setzen. Anstatt pauschal zu fördern, könnten Anreize für steuerbare Anlagen mit Stromspeichern geschaffen werden. Diese würden nur dann einspeisen, wenn der Strom im Netz gebraucht wird, was die Netze entlastet und den Strompreis stabilisieren könnte.

Können Mieter auch von der Energiewende profitieren?

Ja, Modelle wie der sogenannte ‚Mieterstrom‘ ermöglichen es auch Bewohnern von Mehrfamilienhäusern, direkt von Solarstrom vom eigenen Dach zu profitieren. Dabei wird der Strom vor Ort erzeugt und direkt an die Mieter verkauft, oft zu einem günstigeren Preis als der Netzstrom. Der Ausbau solcher Modelle ist ein wichtiger Schritt für einen gerechteren Strompreis.

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